Informatik, TU Wien

Der persönliche Hollywood-Assistent am Handy

Warum Home-Videos in Top-Qualität bald Realität werden.

TU Wien, News 20.12.2016, Christine Cimzar-Egger

Fast jedes Handy oder Tablet verfügt inzwischen über eine gute Kamera, was zu einem enormen Anstieg an digitalen Bildwelten führt. Das gilt für klassische Einzelbilder, aber umso mehr für Videoclips. Das notwendige Aufnahme-Equipment ist immer mit dabei und auch für Laien leicht anzuwenden. Für Fotos gibt es inzwischen ein umfangreiches Angebot an direkten Bearbeitungsfunktionen oder Apps zur qualitativen und stilistischen Nachbearbeitung. Wenn man aber nach Vergleichbarem für Videos sucht, ist das Angebot eher rudimentär. Ein Projekt unter Beteiligung der TU Wien möchte das nun ändern.

Aller Anfang ist Theorie
Der Hauptgedanke im Projekt "PersonalFilmAssistant" ist, Benutzer_innen zu einem frühen Zeitpunkt bei oder sogar vor der Aufnahme zu unterstützen, damit ein möglichst qualitativ hochwertiger Videoclip entsteht. Bevor man aber überhaupt mit der Konzeption der entsprechenden Bearbeitungswerkzeuge beginnen kann, muss eine wichtige Definition geklärt werden: Wie sieht ein hochwertiger Videoclip eines bestimmten Genres überhaupt aus? Dabei unterscheidet man verschiedene Typen von Clips: Besondere Anlässe wie Hochzeiten, Aktivitäten mit Kindern, kommerzielle Zwecke oder Videos als Resümee einer Reise. In der Vorbereitungsphase des Projekts werden mithilfe einer umfangreichen Literaturrecherche diese Definitionen erarbeitet.

Erste Benutzer_innenstudien sollen auch hier bereits einfließen, um schließlich einen Kriterienkatalog zu erstellen. Dieser Kriterienkatalog wird als Storyboards für die unterschiedlichen Genres, die letztendlich als Vorlage für die Benutzer_innen dienen sollen, konzipiert. "Auf Basis dieser Storyboards werden gezielt Algorithmen entwickelt, um durch automatisierte Videoanalyse Bewegungserkennung, Bildstabilisierung und Bewegungsanalyse zu ermöglichen", erklärt Margrit Gelautz von der Forschungsgruppe für Image and Video Analysis & Synthesis am Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme, die von Seiten der TU Wien beteiligt ist. "Das Ziel des Projekts ist es, die Benutzer_innen durch die automatisierte Videoanalyse von Bewegung, Farbgebung, Fokus und von wichtigen Objekten schon im Erstellen des Videoclips anzuleiten. Man bekommt so persönliche Regieanweisungen, um einen möglichst qualitativ hochwertigen Videoclip zu erstellen." Ebenfalls geplant sind Nachbearbeitungsmöglichkeiten für Schnitt, Farbgebung und Musikunterlegung. 

Intelligentes Assistenzsystem zur Videoerstellung auf Mobilgeräten (PersonalFilmAssistant)
Das Projekt vereint Expertise aus verschiedensten Bereichen in einem Konsortium: Florian Seitner von der emotion3D GmbH, die auf Softwareentwicklung und Bildverarbeitung für die Film- und Post-Produktion spezialisiert ist, koordiniert das Projekt. Die Forschungsgruppe für Image and Video Analysis & Synthesis am Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme der TU Wien unter der Leitung von Prof. Margrit Gelautz liefert die wissenschaftliche Expertise von automatisierter Videoanalyse und die Entwicklung von Algorithmen.

Die FH Technikum Wien stellt Expert_innen zu User-Centred Design und führt überwiegend die Nutzer_innenstudien durch. Das Projekt wird aus dem ersten Call zu "Users in Focus" der Wirtschaftsagentur Wien gefördert, bei dem Projekte in denen User_innen in allen Phasen des Innovationsprozesses in den Mittelpunkt stehen, ausgewählt wurden. Die Laufzeit des Projekts liegt bei zwei Jahren und zielt auf die Entwicklung von Algorithmen und deren Umsetzung in Softwarewerkzeugen ab. Am Ende der Projektlaufzeit ist auch die Entstehung einer App angedacht.

Am Thema interessierte Studierende haben im Rahmen von Diplomarbeiten und Studierendenprojekten noch die Möglichkeit am Projekt mitzuarbeiten. 

Bei Interesse zur Teilnahme an den Nutzer_innenstudien reicht eine E-Mail an Prof. Margrit Gelautz: margrit.gelautz@tuwien.ac.at 

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