Informatik, TU Wien

Medien für die Stadt – die Stadt als Medium

Medieninformatik-Studierende bringen Technik-Ideen zur Marktreife: Ein Like-Button zum Mitnehmen, ein Infosystem für Touristen, eine Tausch- und Leih-Wand für die Hausgemeinschaft und einen Meinungs-Pilz für mehr Demokratie.

TU Wien, Florian Aigner

Seminararbeiten und Projektberichte entstehen viele, doch wie oft geschieht es, dass Studierende eine technologische Idee bis zum marktreifen Produkt weiterentwickeln können? Im Bereich Medieninformatik ist das möglich: Prof. Hilda Tellioglu und Roman Ganhör – beide vom Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung – erarbeiten mit Studierenden Projektideen, die dann in fertige Prototypen münden. Die Ergebnisse der nun abgeschlossenen Projekte zum Thema „Smart City“ können sich sehen lassen.

„Ein Semester lang werden bei uns Ideen entwickelt, im zweiten Semester entsteht dann ein fertiges Produkt, da wird dann programmiert, designt, gelötet und gehämmert“, erzählt Hilda Tellioglu. Vier Teams von Masterstudierenden der Medieninformatik wurden in den letzten beiden Semester  von ihr und Roman Ganhör betreut, am 29. Jänner 2014 fand die Abschlusspräsentation statt. Das Thema war „Smart City“ – alle Beiträge befassen sich daher mit dem Zusammenleben in der Stadt, mit Kommunikation im urbanen Raum.

Like- und Dislike-Button zum Mitnehmen

Viele von uns können sich das Internet ohne Like-Button kaum mehr vorstellen. Warum gibt es etwas Ähnliches noch nicht fürs tägliche Leben? Wir erleben jeden Tag Erfreuliches und weniger Erfreuliches – mit dem simplen Stoffband „CityZENse“ kann man diese Erlebnisse archivieren. Drückt man den Plus- oder den Minus-Button, dann werden Zeit und GPS-Position abgeschickt und gespeichert.

Zu Hause kann man diese Einträge dann ansehen, und sich dann wieder erinnern, wo man auf seinen Alltagswegen besonders schöne oder unangenehme Erfahrungen gemacht hat. Besonders interessant ist der Vergleich mit den anonymisierten Daten anderer User: Gibt es Gegenden in der Stadt, wo die Stimmung besonders gut ist? Haben an einer anderen Stelle besonders viele Leute oft schlechte Erlebnisse? Es entsteht eine Stimmungs-Landkarte der Stadt.

ROSI, die Internet-Infobox

ROSI fällt auf: Die knallpinke Infobox ist in erster Linie für Tourismusstädte interessant. Man muss nur eine zentrale Datenbank mit wichtigen Informationen über die Stadt, mit Lageplänen wichtiger Punkte, mit Veranstaltungsdaten oder nützlichen Tipps füttern – ein Netz von ROSI-Infoboxen, die man an vielbesuchten Orten irgendwo in der Stadt montieren kann, holt sich automatisch die Information aus der Datenbank, und jede ROSI-Box zeigt genau die Daten an, die genau an ihrem Aufstellungsort interessant sind.

Zusätzlich bieten die Boxen Gratis-WLAN, durch das man zusätzliche Information aufs Smartphone bekommt, etwa einen offline nutzbaren Stadtplan. Die Suche nach dem nächsten Bankomaten, der öffentlichen Toilette oder den interessantesten Sehenswürdigkeiten der Gegend ist mit Hilfe von ROSI kein Problem mehr.

Leihwand!

Haben Sie eine Bohrmaschine? Wie oft benützen Sie sie? Wir alle besitzen viele Dinge, die wir meist nicht brauchen, und wir brauchen oft Dinge, die wir nicht besitzen. Was ist also besser, als sich gegenseitig nachbarschaftlich öfter mal auszuhelfen? Die „Lei(h)wand“ ist eine Touch-Infoscreen, die in Mehrparteienhäusern aufgestellt werden kann. Dort kann man dann rasch und einfach posten, ob man etwas für andere anzubieten hat, oder selbst etwas braucht.

Oft kommt man mit anderen Leuten aus den Nachbarwohnungen nur in Kontakt, wenn man sich jemand über etwas beschwert – wenn die Musik zu laut ist, oder der Müll falsch abgestellt wurde. Die Lei(h)wand soll hingegen positive, freundschaftliche Kontakte erleichtern. Wenn man die Nachbarsfamilie ganz entspannt und angenehm kennenlernt, indem man sich gegenseitig hilft, dann klappt es mit dem Zusammenleben im Haus gleich besser.

Der Meinungs-Pilz

Gerade in der Kommunalpolitik gibt es viele heißdiskutierte Fragen, über die hochemotional gestritten werden kann. Doch eine ausgeprägte Meinung zu haben, bringt noch nichts – aus Meinungen muss eine öffentliche Diskussion werden, die dann politische Entscheidungen beeinflussen soll. Der Meinungspilz ist eine Möglichkeit für die öffentliche Verwaltung, Stimmungsbilder in der Bevölkerung einzuholen.

Der Meinungspilz ist eine überdachte Konstruktion, die temporär im öffentlichen Raum aufgestellt wird. Der Pilz bietet die Möglichkeit, ein Video aufzunehmen und abzuspeichern, seine Meinung aufzuschreiben oder aufzuzeichnen, oder einfach nur auf „ja“ oder „nein“-Buttons Zustimmung oder Ablehnung zu signalisieren. Kommentare anderer Leute kann man ansehen und bewerten. Mechanismen, die sonst vielleicht nur von einer kleineren Internet-Community genutzt werden, gelangen so in den öffentlichen Raum, in die Mitte des täglichen Lebens.