Informatik, TU Wien

Origamifalttechnik: Die Eleganz von Algorithmen

Erik Demaine sprüht vor Begeisterung, wenn er von Origamifalttechniken und den dahinterstehenden Algorithmen spricht. Wie sehr Mathematik Spaß machen kann und dass Faltalgorithmen nicht nur spielerischen Charakter besitzen, demonstrierte der 33-jährige Informatikprofessor bei der zweiten Vienna Gödel Lecture der Fakultät für Informatik.

Denksport und Magie – eigentlich alles nur Mathematik?

Gleich zu Beginn erhielten die BesucherInnen eine Denkaufgabe: Ein Papier mit mehreren, unterschiedlich ausgerichteten Porträts des Logikers Kurt Gödel gilt es so zu falten, sodass am Ende nur drei Köpfe in einer bestimmten Ausrichtung zu sehen sind (Download des Geduldsspiels). Die Begeisterung für Falttechniken schwappte auf das Publikum über und einige lösten die knifflige Aufgabe gleich während des Vortrags.

Erik Demaine ist nicht nur Informatiker und Künstler, er könnte auch als Magier bezeichnet werden. Seine Tricks reichen von gefaltetem Papier, das er mittels eines einzigen Schnitts in einen Schwan oder einen Fisch verwandelt, bis hin zum Umdrehen von Münzen, bis alle auf derselben Münzseite liegen. Doch hinter all dem stecken eigentlich Algorithmen.

Von Roboterarmen und anderen Faltalgorithmen

"Die Verbindung von Wissenschaft und Kunst ist eine sehr kraftvolle", sagt Demaine überzeugt von der Schönheit der Mathematik. Sein besonderes Interesse gilt dem Schnittpunkt der beiden Disziplinen und wie mathematische Erkenntnisse durch Visualisierungen verständlich aufbereitet werden können. An Origamifalttechnik reizt ihn nicht allein mathematische Probleme zu lösen oder ein formschönes Kunstwerk zu schaffen. Neben der Kreation von Papierskulpturen beschäftigt er sich auch intensiv mit Faltalgorithmen im Bereich der Robotik und von hydraulischen Rohrbiegungen.

"Falttechniken sind aber auch dort sehr wichtig, wo es darum geht, etwas sehr Großes zu transportieren." Als Anwendungsbeispiel nennt Demaine Solarzellen für Satelliten, die in den verhältnismäßig kleinen Spaceshuttles in den Weltraum transportiert werden müssen und dort bis zur zehnfachen Größe entfaltet werden. Er träumt sogar von einem kleinen, faltbaren Komplettequipment für Campingausflüge, das sich je nach Bedarf in eine Kochstelle oder in ein Zelt verwandeln lässt – selbstverständlich nicht aus Papier.