Informatik, TU Wien

Informatik und Gesellschaft: Konferenz an der TU Wien

Verlieren wir die Kontrolle über unsere privaten Daten, oder bringt uns die Informationstechnologie ganz neue Kooperationsmöglichkeiten, von denen wir alle profitieren? Bei einem internationalen Symposium wird von 3. bis 7. Juni das Wechselspiel von IT und Gesellschaft diskutiert.

TU Wien, Presseaussendung 55 / 2015, Florian Aigner

Informatik und Gesellschaft: Konferenz an der TU Wien

Zahnräder und Stromkreise lassen sich völlig unabhängig vom Menschen analysieren. Die moderne Informationstechnologie hingegen ist ein so entscheidender Teil unseres persönlichen und gesellschaftlichen Lebens geworden, dass man Gesellschaft und Informatik nicht mehr getrennt voneinander betrachten kann. Ob wir wollen oder nicht, wir alle sind Teil einer neuartigen Informationsgesellschaft, um sie zu verstehen müssen Technik und Sozialwissenschaften ineinandergreifen. Das bringt neue Probleme mit sich – von Datenleaks bis zu online koordinierten Gewalttaten, es eröffnen sich dadurch aber auch ganz neue Chancen für uns alle.

An der TU Wien werden vom 3. bis 7. Juni über 400 internationale Gäste bei der Konferenz „The Information Society at the Crossroads“ diskutieren. Organisiert wird die Tagung von der International Society for Information Studies (IS4IS).

Big Data – Chancen und Gefahren

„Wenn wir so weitermachen wie bisher, bekommen wir ein ernstes Problem“, meint Prof. Wolfgang Hofkirchner vom Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der TU Wien. In der Informationstechnologie gibt es zwar ständig Neuerungen, aber noch fehlt das Verständnis dafür, welche gesellschaftliche Folgewirkungen sie haben – vergleichbar vielleicht mit der Situation nach der industriellen Revolution, als auch noch niemand darüber nachdachte, welche Umweltauswirkungen ein Kohlekraftwerk haben könnte.

„Big Data soll man sicher nicht pauschal verteufeln“, meint Wolfgang Hofkirchner. „Aber wir müssen die neuen Entwicklungen bewusst so gestalten, dass sie uns allen Vorteile bringen.“ Über uns alle werden pausenlos Daten gesammelt, durch die Snowden-Affäre wird das langsam auch in der breiten Bevölkerung als Problem anerkannt. Gleichzeitig bringt die Informationsgesellschaft auch neue Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung und des politischen Diskurses.

Über den Einfluss von „Big Data“ auf Politik und Gesellschaft sprechen unter anderem Prof. Payal Arora (Universität Rotterdam) und Prof. Stefania Milan (Universität Amsterdam). Sylvia Johnigk (Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung) hält einen Vortrag über die Bedeutung der Snowden-Affäre für die IT-Security, Luciano Floridi (Oxford Internet Institute) spricht über „Power in the Information Society“.

Entwicklung zum „Globalen Gehirn“

Die ganze Evolutionsgeschichte kann man als Entwicklung immer besserer Kooperationsfähigkeiten betrachten. Aus einzelnen Zellen wurden kooperierende Zellsysteme wie Pflanzen und Tiere, Lebewesen finden sich zu Gruppen mit komplexem Sozialsystem zusammen. Die Informationstechnologie gibt uns die Möglichkeit, unsere Kooperationsfähigkeit weiter zu erhöhen – bis hin zu einem Punkt, bei dem etwas ganz Neues entsteht, das man vielleicht mit völlig neuen Begriffen beschreiben muss, so wie man einen vielzelliger Organismus ganz anders betrachtet als eine Ansammlung von Einzellern.

„Wir entwickeln uns in Richtung eines globalen Gehirns“, ist Wolfgang Hofkirchner überzeugt. Weltumspannende Datennetze sind ein neuer Kooperationsschritt, den es auf der Welt noch niemals gab. In unserem Gehirn sind unzählige Nervenzellen zu einem Netz verbunden, das Gedanken und Gefühle hat, auch wenn es völlig sinnlos wäre, nach dem Gedanken einer einzelnen Nervenzelle zu fragen. Ebenso sind wir heute alle durch ein weltumspannendes Datennetz verbunden – und was darin entsteht, könnte auch etwas sein, für das uns heute noch die Worte fehlen.

Prof. Dirk Helbing (ETH Zürich) wird über das „Globale Gehirn“ als planetares Nervensystem und Bürger-Netzwerk sprechen. Zum Thema „Global Brain and the future of information society“ findet bei der Konferenz ein ganzer Vortrags-Track statt.

 

Rückfragehinweis

Wissenschaftliche Fragen zu den Themen des IS4IS-Summit beantwortet Ihnen
Prof. Wolfgang Hofkirchner
Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung
TU Wien
T: +43-1-58801-18730
wolfgang.hofkirchner@tuwien.ac.at

Für Fragen um das Symposium selbst wenden Sie sich bitte an
Dr. Robert Jahn
Secretary General, International Society for Information Studies
T: +43-699-18706567
robert.jahn@is4is.org

Interviewanfragen für andere TeilnehmerInnen koordiniert
Gottfried Hofreither
International Society for Information Studies
T: +43-699-12770347
gottfried.hofreither@aon.at

Aussender:
Dr. Florian Aigner
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Wien
Operngasse 11, 1040 Wien
T: +43-1-58801-41027
florian.aigner@tuwien.ac.at