Informatik, TU Wien

Die Informatik verändert nicht nur die Welt

Im ZEIT CHANCEN Brief vom 7. Februar 2019 erschien dieser Gastkommentar von Prof. Dr. Hannes Werthner, Dekan der Fakultät für Informatik an der TU Wien.

Das WWW zeigt, wie weit sich die Informatik in ihrer kurzen Geschichte entwickelt hat: vom stand-alone Rechner zum weltweiten Operating System unserer Gesellschaft. Die Reise führt zur Digitalisierung der Inhalte, der Automatisierung der Arbeit und des Denkens. Die Informatik durchdringt Alles: Arbeit, Freizeit, Politik, Berufliches und Privates – und dabei zeigt sie auch ihre Kehrseiten: Monopolisierungserscheinungen im Netz; zunehmende Eingriffe in die Privatsphäre; Fake News in politischen Auseinandersetzungen. Diese Liste ließe sich leicht fortsetzen.

All dies wird auch die Universitäten verändern, in allen ihren Bereichen. Dies wird verschärft durch wachsenden Wettbewerb mit privaten Forschungseinrichtungen der großen IT Firmen. Auch im Forschungs- und Bildungsmarkt gilt, dass Wenige das Feld dominieren werden. Universitäten werden ihre Rolle neu definieren und dabei auch neue Aufgaben übernehmen müssen:

•In der Forschung werden in allen Disziplinen Methoden und Paradigmen der Informatik Einzug halten; die klassischen disziplinären Silos werden aufbrechen. Insbesondere im Wettbewerb mit privaten Unternehmen ist aber der Beitrag hochqualitativer und nicht interessensgebundener Forschung essentiell.

•Das Studium der Zukunft wird wie ein mehrere Disziplinen umfassender Lego-Baukasten gestaltet sein, mit kombinierbaren Grundblöcken und einem Fokus auf grundlegenden Konzepten und Methoden. In einer KI-geprägten Welt ist Kreativität und Systemwissen gefragt, mit einer wichtigen Rolle für die Geisteswissenschaften.

•Universitäten werden die zentralen Bausteine eines Forschungsökosystems. Ihr Innovationsfokus sollte auf Neuem liegen, nicht auf ökonomischer Verwertbarkeit.

•In einer durch die Informatik geprägten Zukunft stehen wir vor der Aufgabe, unsere Rolle zu reflektieren und auch einzugreifen, durch technische und gesellschaftliche Antworten. Hier ist die Informatik als Disziplin und jede/r Einzelne gefragt.

•Mit den rasanten Wissenszyklen müssen Universitäten Zugänge des lebenslangen Lernens bieten. Dies wird keine „One size fits all“-Lösung sein, sondern wir brauchen individuelle Programme. Dies wird zu einer veränderten Didaktik führen.

•Im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe gilt es – speziell für den deutschsprachigen Raum – das universitäre Karrieremodel auf ein Tenure Track-Modell umzustellen, mit flacheren Strukturen und durchgängigeren Karrieremöglichkeiten. Wenn wir Menschen gewinnen wollen, müssen wir sie entsprechend schätzen und fördern.

Universitäten werden sich in ihren Strukturen, Aufgaben und Herangehensweise ändern müssen, sonst drohen existentielle Probleme.